Warum gibt es die Katharsis Zeremonien?

 

Als allererste kommt die Lust, das menschliche Wesen als Spiritus, Anima, Corpus [1a], Geist, Seele, Körper[1b], als Wesen der Metamorphosen [1a] empirisch zu erforschen, und wöchentliche Zeremonien anzubieten, bei deren diese intuitive Realität bewusst und kollektiv erlebt werden kann.

 

Als zweite kommt die Lust, bei diesen Zeremonien, die Ausdrucksformen verschiedener Künste einzuladen, als möglichst allerbestes Mittel, diese intuitive Realität zu verkörpern, als Spiegel einer üblich unsichtbaren und subjektiven Realität, sowie als Mittelpunkt des kollektives Handelns. «Die Kunst, der kürzeste Weg vom Mensch zu Mensch.» [2]

 

Als dritte kommt die Lust Menschen anders, tiefer kennenzulernen, in einem Rahmen, wo das aufrichtige Fühlen und das wahre Wort liebevoll empfangen werden können. Da die seelische Realität vollkommen subjektiver Natur ist, haben wir als prinzipieller Vorgehen, als Ausgangspunkt und als Verankerung der künstlerischen Prozesse, die aktuellen Lebensgeschichten, -Fragen und -Themen der anwesenden Menschen bevorzugt. Die Arbeit der Systemaufstellungen [3a] ermöglicht die Begegnung von persönlichen Geschichten (System) und Ausdrucksformen (in Kunst übersetzter Aktivierung im System). Das Wort Katharsis [3b] wurde als besonders sinnvolle Bezeichnung dieser Art Zeremonien gewählt.

 

Als vierte kommt die Lust, im kleinen Rahmen des «Kenne Dich selbst.» [4a] und im breiten Rahmen des globalen Bewusstseinswandels zu erforschen. «Es ist kein Anzeichen von seelischer Gesundheit, an eine zutiefst gestörte Gesellschaft angepasst zu sein.» [4b] Doch «Die Transformation der Welt kommt, wenn wir uns selbst ändern» [4b] oder «Die Wandlung der Gesellschaft ist nicht so wichtig; sie wird sich natürlich und zwangsläufig ergeben, wenn der Mensch die innere Wandlung vollzogen hat.» [4b] Denn wie kann ich konkret, tief, weder moralisch noch konditioniert, meine innere Wandlung vollziehen? «Konflikt ist nichts weiter als das Leugnen dessen, was ist, oder das Davonlaufen vor dem, was ist. Einen anderen Konflikt gibt es nicht. Unser innerer Konflikt wird immer komplexer und unlösbarer, weil wir uns weigern, uns dem zu stellen, was ist.»4b] Also Realität (objektiv, subjektiv oder symbolisch) bewusst wahrnehmen; das ist TRANSFORMATION.

 

Quellenangaben

[1a] Michel Fromaget, "Corps, âme, esprit. Introduction à l'anthropologie ternaire", Almora Eds Verlag, 2017

[1b] Der deutsche Duden 2012, Definitionen:

Kör­per: Das, was die Gestalt eines Menschen oder Tieres ausmacht; äußere Erscheinung eines Menschen oder Tieres, Gestalt; Organismus eines Lebewesens. (Kommentar und im weiteren Sinn: Mein Sein im Universum: in der objektiven Realität und deren Gesetze)

Seele: Gesamtheit dessen, was das Fühlen, Empfinden, Denken eines Menschen ausmacht.
(Kommentar und im weiteren Sinn: Mein Sein im Mysterium: in der subjektiven Realität und deren Gesetze)

Geist: denkendes Bewusstsein des Menschen, Verstandeskraft, Verstand. (Kommentar und im weiteren Sinn: Mein Sein im Denken: in der symbolischen Realität und dessen Gesetze)

[2] Zitat von André Malraux 1901-1976

[3a] Siehe: Systemaufstellung

[3b] Siehe: Katharsis
[4a] Gnothi seauton (γνῶθι σεαυτόν) „Erkenne Dich selbst!“ ist eine von drei apollonischen Weisheiten aus Delphi. Die zwei weiteren sind „Meden agan“ ( Μηδὲν ἄγαν) „Nichts im Übermaß!“ und „Ei“ ( Εἶ) „Du bist“.

[4b] Zitate von Jiddu Krishnamurti 1895-1986